Algarve, Störche, Martins-Bräuche, und Muscheln

November 2020

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Die Schönheiten der Algarve sind längst Teil von Reiseberichten in der internationalen Presse. Die New York Times sorgte erstmals vor genau sechzig Jahren für steigende Bekanntheit und Beliebtheit der Region. Die Algarve-Zeitung 'Comércio de Portimão' zitierte am 3.11.1960 den Autor des Artikels, John Lerch, Professor für Kommunikation an der Universität Boston, der die Algarve besucht hatte und sie als „ursprüngliche Poesie im Süden Portugals“ pries. Er schrieb, der Frieden und die Ruhe der Region sei die essenzielle Therapie für gestresste Zeitgenossen. Lerch bereiste den Landstrich von Sagres aus ostwärts und urteilte: Mit „ihrer traditionellen Bescheidenheit und Zurückhaltung werden sich die Portugiesen langsam bewusst, dass Praia da Rocha in seiner Schönheit mit dem französischen Cap Ferrat konkurriert.“ John Lerch erlebte auch Touristisches wie eine Schiffs-Prozession zu Ehren von Heinrich dem Seefahrer und fand, die Region besitze alles Notwendige, um für Touristen attraktiv zu sein. Er versah seine Reportage mit einem großen Foto von Praia da Rocha und bekräftigte, dies sei „eine Region, wo man Sorgen und Nöte, die von außen kommen, leicht vergessen kann".
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Die fischverarbeitende Industrie in der Algarve ist schon lange zum Erliegen gekommen, die Werks-Anlagen wurden abgerissen, übrig geblieben sind die Schornsteine. Sie mahnen nicht nur wie ein in die Luft ragender Zeigefinger, sich an den ältesten Wirtschaftszweig der Algarve zu erinnern, sondern wurden ganz bewusst von der Abrissbirne verschont, denn sie eignen sich hervorragend als Platz für Storchennester. Der Weißstorch ist im Verlauf der letzten Dekade zum Dauergast in der Algarve geworden. Er nistet oft ganzjährig hier, bevorzugt auf Masten und hohen Bäumen, und eben auf den längst nicht mehr rauchenden Schloten. Und an einigen Orten (z.B. vor der östlichen Ortseinfahrt der Algarve-Stadt Lagos) gibt es Felder, auf denen mannshohe Baumstümpfe stehen, wo die Störche ebenfalls gerne ihr Nest bauen.
03
Zum Martinstag gibt es in der Algarve keine Laternen-Umzüge, sondern den ‘Verão de São Martinho’, den Martins-Sommer, so etwas wie die fünfte Jahreszeit. Er wird so genannt, weil in diesen Tagen fast immer warmes, sonniges Wetter herrscht. Der Heilige Martin selbst gilt hierzulande übrigens als Schutzpatron derer, die gerne ein Gläschen Hochprozentiges zu sich nehmen oder dem Weingeist frönen: „No dia de São Martinho bebe o vinho e deixa a água para o moinho“ (Am Martinstag trinke Wein und lasse das Wasser für die Mühle) oder „Dia de São Martinho, vai à adega e prova o vinho“ (Am Martinstag, geh in den Keller und probiere den Wein) – das sind nur zwei von vielen Sprüchen zum Martinstag. Getrunken wird traditionell ‘Agua Pé’ (Tresterwein) und der Likörwein ‘Jeropiga’, ein starker Süßwein. Und dazu (aber auch ohne alkoholische Getränke) schmecken die frisch gerösteten Kastanien, die jetzt in den Fußgängerzonen vieler Orte direkt aus dem Ofen verkauft werden. Eine Delikatesse, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
04
Wer in der Algarve Urlaub macht, tut gut daran, seine kulinarischen Abenteuer auf Speisen aus dem Meer zu konzentrieren. Nicht nur auf Fisch, sondern auch auf Muscheln und andere Meeresfrüchte. Damit der Nachschub nie fehlt, aber auch als Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt, gibt es seit Kurzem fünf Kilometer vor der Küste des malerischen Fischerortes Alvor eine Offshore-Muschelfarm, die erste ihrer Art weltweit. 600 Tonnen Schalentiere sollen hier pro Jahr wachsen. Dieser Innovation geht eine lange Forschungs-Geschichte voraus: Einige Jahre lang hat die Betreiberfirma in einem Zentrum für Meeresbiologie im Norden des Landes unter Aspekten der Nachhaltigkeit einheimische Muschel-Arten, ihre Selektion und verschiedene Zuchtprozesse untersucht. Die nun wachsenden, qualitativ hochwertigen Muscheln für den Verzehr sind gegenüber den steigenden Importen aus Asien konkurrenzfähig. Alvor bietet aufgrund günstiger Wassertemperaturen und einem großen Reichtum an Mikroalgen als Nährstoffe für die Mollusken die besten Zuchtbedingungen.