Graffiti, Geopark, Grünflächen und Genuss

Juni 2021

01
Die Algarve darf als Freilichtmuseum für Moderne Kunst gelten. An immer mehr Orten werden alte Gemäuer, Brücken, Mauern und sogar Steine auf dem 300 km quer durch die Region führenden Wanderweg ‘Via Algarviana’ zur Fläche für Graffiti. Dabei handelt es sich um Arbeiten von Street-Art-Künstlern, die in kommunalen Auftrag sprayen. Daher haben die Bilder oft einen Bezug zu der Stadt, in der sie zu finden sind. Auf bröckelnden Mauern von Ruinen symbolisieren Porträts von betagten Menschen, dass hier einmal jemand wohnte und dem Haus eine Geschichte gab. Manchmal schaut ein Kind um eine vermeintliche Ecke, ein skeptischer Mensch blickt fragend auf die Passanten oder Figuren laufen im Alltagstrott durch eine Unterführung. Die Bilder sind fragend, anklagend, unterhaltend, manchmal politisch, aber immer dekorative Hingucker. Auch international namhafte Künstler beteiligen sich, wie der aus Lissabon stammende Alexandre Farto, bekannt unter seinem Künstlernamen Vhils, der mit dem weltweit agierenden Street-Art-Sprayer Banksy gearbeitet hat. Einige Orte bieten Führungen entlang der kommunalen Straßenkunst an, doch auch beim individuellen Spaziergang durch die Orte der Region sind die Kunstwerke an den Wänden nicht zu übersehen.
02
Weite Teile des Hinterlandes der Algarve sind im Begriff, im Rahmen eines UNESCO-Programms als Geopark anerkannt zu werden. Die Städte Silves, Albufeira und Loulé und ihr Umland, alle unweit Ihrer Ferienanlage Oásis, konzentrieren sich auf die beeindruckende geologische Struktur der Region sowie ihre Flora und Fauna, auf 350 Millionen Jahre regionaler Erdgeschichte und 20 Millionen Jahre menschlicher Besiedelung. Die Idee zum Geopark entstand, als Archäologen vor wenigen Jahren in der Nähe von Loulé die fossilen Überreste eines rund 220 Millionen Jahren alten Vorläufers des Salamanders freilegten, der zu Lebzeiten zwei Meter lang gewesen sein muss und als ?Metoposaurus algarvensis' benannt wurde. Das Geopark-Gebiet ist nun bis Mitte September Bühne für vielfältige Veranstaltungen. Es gibt geführte Wanderungen, Kunst-Events, Konzerte, wissenschaftliche Einblicke und Naturbeobachtung. Zahlreiche Künstler werden die Landschaft zu ihrem Atelier machen. Auch Besuche allgemein nicht zugänglicher Orte sind möglich. Dazu gehören die mittelalterliche Burg und die Brücke von Paderne, das alte Salzbergwerk ‘Mina Sal-Gema’ sowie ein Steinbruch nahe Silves.
03
Im Rahmen einer internationalen Untersuchung über Grünflächen, die sich an der Erfahrung orientiert, dass immer mehr Menschen höhere Ansprüche an das Leben in der Stadt entwickeln und Orte suchen, wo man in Wohnnähe entspannen kann, wurden auch die fünfzig wichtigsten portugiesischen Städte untersucht, die Flächen von öffentlichen Parks, Gärten und grünen Oasen in Stadtnähe pro tausend Einwohner ermittelt. Unter die Top Ten der Orte mit nennenswerten erholsamen Räumen für Ruhe und Freizeit kamen mit Portimão (0,35 m2 Grünfläche /1.000 EW) und Loulé (0,29 m2/1.000 EW) gleich zwei Städte in der Algarve. Derweil erhielt die Stadt Lagos ein Prädikat als besondern nachhaltiger Ort, der praktisch alle Qualitäts-Kriterien bezüglich Umwelt, Gesundheit, Sicherheit und Freizeitangebote erfüllt und seine natürlichen Ressourcen schont. “Touristen suchen nicht nach nachhaltigen Zielen, weil sie davon ausgehen, dass jeder Ferienort sich an grüne Standards hält”, heißt es in der Begründung des niederländischen ‘Good Travel Guide’, der Urlaubsziele dahingehend untersucht und bewertet hat, inwieweit sie diese Ansprüche erfüllen.
04
Vermutlich jedes portugiesische Restaurant bietet Kabeljau an. Er heißt hier ‘bacalhau’ und ist neben der Sardine der meistverzehrte Fisch. Es gibt so viele Kabeljau-Rezepte in Portugals Gastronomie, dass man sicher ein Jahr lang jeden Tag ein anderes Gericht mit dem Fisch zubereiten könnte. Obwohl ‘bacalhau’ an Portugals Küste nicht vorkommt, sondern Tausende von Kilometern entfernt gefischt wird, gilt er schon sehr lange als Nationalgericht. Die Wikinger als Pioniere des Kabeljau-Fangs ließen den Fisch aus Mangel an Salz an der Luft trocknen. Erste Hinweise auf das Einsalzen des Kabeljaus in Portugal gehen auf das 14. Jahrhundert zurück. Salz war ein wertvoller Rohstoff, der hier gewonnen und in den Norden Europas exportiert wurde. Kabeljau wurde im Gegenzug importiert. Er war während der Entdeckungs-Fahrten im 15. Jahrhundert nützlich, da er die langen Reisen über das Meer überstand. Lange galt Kabeljau nicht als Lebensmittel erster Klasse. Erst um 1790 breitete sich der Konsum aus und der Fisch wurde Teil des Speiseplans. Das Königshaus hatte schließlich sogar eigene Kabeljau-Lieferanten. 1958 war Portugal Weltmarkführer bei der Produktion von gesalzenem Kabeljau. Ab den 1960er Jahren erschwerten Seerechts-Änderungen den Fang und es wurde immer schwieriger, Männer für die Arbeit auf den Fischerbooten zu finden. Dennoch ist die Beliebtheit des ‘bacalhau’ bis heute ungebrochen.