Ausflug, Exotik, Kork und Innovation

Juli 2021

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Castro Marim liegt an der Ost-Algarve; die etwas weitere Anfahrt lohnt sich aber immer, denn diese dünn besiedelte teil der Algarve mit seinem kilometerlangen, felsenlosen Sandstränden, dem Naturschutzgebiet, dem Grenzfluss Guadiana, und seiner unter anderem durch Burgen markierten alten Geschichte ist um einen touristischen Pluspunkt reicher. Gerade wurde in den Dünen zwischen den Stränden ‘Praia da Verdelago’ und ‘Praia da Lota’ ein Holzbohlenweg und eine Fußgängerbrücke über das Flüsschen Álamo eingerichtet, der es ermöglicht, in diesem Naturschutzgebiet spazieren zu gehen und die Strände leichter zu erreichen, ohne die Natur der empfindlichen Dünenlandschaft zu gefährden. Entlang des Weges eingerichtete Ruhezonen laden ein, die Landschaft zu betrachten, Beleuchtung macht auch abendliche Spaziergänge möglich. Auch ein Besuch der Stadt Castro Marim lohnt sich. Das sehenswerte Museum ‘Casa do Sal’ bietet eine beeindruckende Einsicht in die Geschichte der Region, die seit Menschengedenken von der Salzgewinnung gelebt hat, die bis heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Im Rahmen des Projektes „100 Erinnerungen an Castro Marim“ sammelt das Museum außerdem private Beiträge zum Leben in der Stadt in den vergangenen Generationen und hat viele davon in rund zwei Dutzend Schaukästen und -Tafeln im Ortsgebiet verteilt, sodass der Spaziergang zum bebilderten Weg durch die Vergangenheit von Castro Marim wird.
02
Die Algarve ist für ihre schöne und vielfältige Natur bekannt. Die Region ist auch die Heimat exotisch anmutender Lebewesen. Hier nisten Flamingos inzwischen dauerhaft und ihre Zahl nimmt zu. Naturschützer führen dies auf einen Rückgang menschlicher Aktivitäten an der Küste zurück, die auch verstärkten Naturschutz-Bestrebungen zu verdanken sei. Bis vor einigen Jahren galten die Nistplätze der paradiesischen Vögel in den Deltas der Flüsse und in den Feuchtgebieten der Ria Formosa sowie bei Portimão und Alvor noch als von Dürre bedroht und das Wasser war durch angespülte Asche von Waldbränden verunreinigt. Jüngst entdeckten Biologen immer mehr Nester, die auf eine umfangreiche Entwicklung der Population hinweisen. Auch die Seepferdchen im Naturschutzgebiet Ria Formosa vermehren sich wieder. Über Jahrzehnte bildeten sie das größte Reservat dieser Art weltweit. Umwelt-Verschmutzung und illegale Fischerei und eine wachsende Aktivität von Bootsausflüglern beeinträchtigte zunehmend den Lebensraum. Dank eines Zuchtprojektes der Algarve-Universität und besserem Schutz für die submarinen Seegraswiesen, die den Lebensraum der Seepferdchen bilden, konnte diese Tendenz wieder ins Positive gewandelt werden.
03
Wer jetzt eine Fahrt durch das Hinterland der Algarve unternimmt, wird in der Serra de Monchique und in der Serra de Caldeirão den Beginn der Kork-Ernte sehen können, die bis in den Herbst andauert. Mit speziellen Schälwerkzeugen wird die Hülle der Korkeiche zuerst gespalten und dann mit hoher Sachkenntnis gelöst. Diese Arbeit ist eine der wenigen landwirtschaftlichen Ernteformen, die vollständig manuell durchgeführt wird. Maschinen versagen bei diesem hoch spezialisierten Vorgang, dessen Technik bis heute oft von einer Generation zur nachfolgenden übermittelt wird. Falsche Handhabung könnte das Wachstum der Korkrinde stören. Der Baum bleibt nach der Schälung verschlankt und mit glattem, rötlichem Stamm zurück und wird mit einer Zahl versehen. Sie zeigt an, wann der Baum erneut geerntet werden darf, denn die Rinde braucht mindestens neun Jahre, bis die Rinde wieder nachgewachsen ist. Korkeichen können über hundert Jahre alt werden. Ihr Standort markiert die Grenze zwischen fruchtbaren und ariden Böden. Die Baumart stabilisiert den Boden und sichert eine nachhaltige Forstwirtschaft, denn inmitten eines Korkeichen-Bestandes gedeihen viele andere Pflanzen wie der Erdbeerbaum, verschiedene Beerenarten, Ginster, Hülsenfrüchte, Heidekraut oder Zistrosen und einige Speisepilze. Auch Lavendel und Rosmarin wachsen in Korkeichen-Biotopen, wovon Imker profitieren. Rund 120 teilweise bedrohte Wildtierarten benötigen den nahrungsreichen Korkeichenwald als Biotop zum Überleben. Kleinbauern können ihre Nutztiere im Schatten der Korkeichen grasen lassen und von der nahrhaften Eichelmast profitieren. Portugals König D. Sancho stellte schon vor 800 Jahren die Beschädigung des Baumes unter Strafe; seit 2012 ist die Korkeiche Portugals Nationalbaum.
04
Die Pandemie und die Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus haben auch in Portugal beträchtliche wirtschaftliche Schäden hinterlassen. Gleichzeitig zeigen sich die Portugiesen erfinderisch und motiviert zu einem Neuanfang. Wer durch die Straßen der Algarve-Städte geht, bemerkt viele erst kürzlich neu eröffnete Geschäfte, die Nischen besetzen, wo es zuvor nur wenige Angebote gab. So entstehen kleine spezialisierte Läden insbesondere im Bereich biologischer Lebensmittel. Neue Cafés und Restaurants werben mit abwechslungsreichen Speisekarten und eigenen Kreationen sowie einem Ambiente, mit dem sie sich von der Konkurrenz unterscheiden. In anderen Ladenlokalen entstehen Co-Working-Räume: In erster Linie Freiberufler mieten stunden- oder tageweise Büroraum mit entsprechender Ausstattung und treffen dort auf Kollegen anderer Sparten, was den Austausch von Erfahrungen und Ideen anregt. Betreiber berichten, dass sie immer häufiger von Reisenden ausgesucht werden, die zwar in erster Linie Urlaub in der Region verbringen, aber zum Teil auch ihr Homeoffice in die Ferien mitnehmen und in einem solchen Workspace am Urlaubsort arbeiten.