Feiertag, Früchte, Spaziergang und Diabolisches

Oktober 2021

01
Gleich zu Beginn des Monats Oktober steht in Portugal ein historischer Gedenktag auf dem Kalender: Am 5. Oktober 1910 endete die Monarchie in Portugal und die Erste Republik wurde ausgerufen. Das Datum hatte schon lange vorher eine große Bedeutung im Lande, da Portugal am 5.10.1143 durch die Unterzeichnung des Vertrags von Zamora seine Unabhängigkeit von Spanien erhielt und damit ein neuer Staat auf der Iberischen Halbinsel entstand. Portugal ist einer der ältesten existierenden Nationalstaaten. Bis zu jenem 5.10.1910 trugen die portugiesischen Monarchen 500 Jahre lang den Titel “Rei de Portugal e dos Algarves”, sie waren also Könige über das ganze Land und das gesondert erwähnte Gebiet der Algarve (daher der Plural “Algarves”). Diese Ländereien erstreckten sich seit 1415 auch auf die portugiesischen Eroberungen in Nord-Afrika, ebenso die Bezeichnung. Wundern Sie sich also nicht, wenn Portugiesen heute manchmal darüber klagen, die Politiker in Lissabon hätten die Region vergessen, für sie sei die Algarve nichts weiter als “ein Teil Nordafrikas”. Es gibt allerdings einen Herrscher, der laut dem kompletten traditionellen Titel seiner Krone dem Namen nach bis heute (auch) König der Algarve ist: Es ist der jeweils amtierende König von Spanien, derzeit also Felipe VI.
02
Der Herbst ist die Zeit der Äpfel, die es dank Theodor Fontane in die Weltliteratur geschafft haben. Doch nicht nur bei Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland tragen die Bäume reiche Früchte. Auch die Algarve ist ein herbstlich bunter Obstgarten. In Monchique wächst der ‘Pêro de Monchique’, dem Namen nach ein Spitzapfel, der süß schmeckt und einen ebensolchen Duft verströmt. Regionale landwirtschaftliche Organisationen haben den Wert der Frucht erkannt und mithilfe von Biologen 32 von insgesamt 40 bekannten Sorten nachgezüchtet. Mit solchen Bäumen werden inzwischen Gebiete aufgeforstet, die in vergangenen Jahren von Waldbränden vernichtet wurden. Insbesondere nahe der Ruine des Klosters ‘Nossa Senhora do Desterro’ in Monchique entstand eine Anpflanzung im traditionellen Terrassen-Anbau. Die Märkte der Region bieten den ‘Pêro de Monchique’ jetzt häufig an, er wächst nur in der Algarve und wird nicht exportiert, obwohl er sehr lagerfähig ist. Wer ihn probieren möchte, sollte zugreifen.
03
Diabolische Suppe, faules Brot, Hähnchen à la Beelzebub – nein, das ist nicht die Speisekarte eines Restaurants, von dessen Besuch wir abraten würden. Bei den dämonischen Mahlzeiten handelt es sich um Bestandteile einer Tradition, die in der Algarve viel älter ist als das importierte Halloween-Spektakel, das es aber auch in Portugal gibt und seit einigen Jahren immer ausgiebiger begangen wird. Tatsächlich wurden bei Ausgrabungen in der Algarve Utensilien aus Hexenkulten gefunden und bis heute hält sich ein nicht mystisch verbrämter, volkstümlicher Hexenkult, der oft damit begründet wird, es habe in diesem Land im Lauf der 285 Jahre währenden Inquisition keine Hexenverbrennungen gegeben. Tatsächlich waren es historisch belegt 26 Frauen, die als Hexe auf den Scheiterhaufen endeten – das ist deutlich weniger als in anderen europäischen Ländern des Mittelalters. Die höchste Quote erreichte übrigens Deutschland, wo 25.000 Frauen hingerichtet wurden. Heute gibt es durchaus fröhliche Veranstaltungen rund um die Magie: Wahrsager sind gefragt, die entmystifizierende Botschaften bringen sollen. In der Algarve gibt es keine Schicksals-Schwestern wie in Shakespeares Macbeth, die für ihre Zusammenkunft „Donner, Blitz oder Regen“ brauchen. Undurchsichtige Frauenfiguren leben in scherzhaften Bemerkungen: Da gibt es ‘Rosa Maldosa’ (die böswillige Rosa) und ‘Rita Maldita’ (Rita, die Verdammte) und auch Männern wird die Fähigkeit zugesprochen, im Guten wie im Bösen beschwören und verwünschen zu können. Hexenfiguren sind sehr beliebt und Gebäck wird in diesem Monat gerne entsprechend dekoriert.
04
Die Stadtverwaltung von Albufeira hat einen neuen Rundweg eingerichtet, auf dem man die Altstadt neu entdecken kann. Auf einer Hauptroute und drei ergänzenden Nebenwegen lernen Spaziergänger, dass diese Straßen viel mehr zu bieten haben als Barbesuche in feuchtfröhlicher, lärmender Gesellschaft. Es geht um die Geschichte der Stadt und ihr kulturelles Erbe. Der Weg beginnt am historischen Zentrum und endet am Touristenbüro, wo es ausführliche Informationen über die Route, die einzelnen Abschnitte des insgesamt gut sieben Kilometer langen Rundwegs und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gibt, die entlang des Weges mit Einlassungen im Pflaster markiert sind. Einige der sehenswerten Elemente am Wege sind die Kapelle ‘Nossa Senhora da Orada’, der Schutzpatronin der Fischer, der Yachthafen, die Kirchen Sant'Ana und São Sebastião (in dem das Museum für sakrale Kunst untergebracht ist), der Uhrenturm – ein Wahrzeichen der Stadt, das Archäologie-Museum, die Reste der alten Burgmauer, eine Kunstgalerie und der alte Fischmarkt, um nur einige wenige Orte zu nennen. Die gesamte Route ist in die mobile App "Percursos Pedestres de Albufeira" integriert, die im App-Store verfügbar ist.