Fauna, Meer, Wasser und Sicherheit

Juli 2022

01
Wer am Strand spazieren geht, hat meist nur Augen für Meer und Felsformationen. Doch auch zu unseren Füßen tut sich einiges. Der Strand ist mehr als nur in Jahrmillionen durch Verwitterung geformtes Gestein: Hier tummeln sich Muscheln und kleine Krebse; Letztere kann man vor allem an Molen, Wellenbrechern und Klippen beobachten. Zudem gibt es die sogenannte Sandlückenfauna: Mikroskopisch kleine Tierchen, die zwischen den Sandkörnern leben: Wimperntierchen, Flohkrebse, Bärtierchen sind perfekt an die Bedingungen ihres Lebensraumes angepasst, ernähren sich von Bakterien und einzelligen Algen. Ein Tropfen Speiseeis oder ein Kekskrümel, die der Mensch ihnen überlässt, gehören ebenso zum Speiseplan. Die Artenvielfalt an manchen Stränden entspricht der eines Waldes. Nun hat ein Biologe ein weiteres Kleinstlebewesen in der Ria de Alvor entdeckt, dessen Präsenz in der Region bisher nicht bekannt war: Der Schlammdrache (Phylum kinorhyncha) ist ein Indikator für ein gesundes Ökosystem.
02
Das Meer „weckt Fantasie in uns, wir geben uns dem Zuschauen hin, der Muße und der Melancholie“, notierte der Schriftsteller Ramalho Ortigão in seinem „Leitfaden für Badende und Reisende“. Das war im Jahr 1876. Zu jener Zeit diente das Bad im Meer vor allem medizinisch-therapeutischen Zwecken. Das Buch war Portugals erster Strandführer, doch die Algarve fehlte darin. Die Region hatte damals für Reisende kaum Bedeutung, denn hierher zu gelangen war mühsam; die einzige Straße führte von Norden über die Berge. Allenfalls Monchique wurde zum Reiseziel wegen seiner Thermal-Quellen. Lagos lockte mit der Mystik der Entdeckung-Fahrten. Und der malerische Felsenstrand sowie das gemäßigte Klima brachten Praia da Rocha in den direkten Vergleich zum französischen Biarritz. Ferragudo war damals noch nicht von Reisenden entdeckt. Über die Zeit am Strand riet das Buch, allzu viel Ruhe sei „gefährlich. Sie schwächt den Geist“. Der Schriftsteller riet zu „intellektueller Aktivität“, man solle zum Beispiel „das mysteriöse Meer studieren“.
03
“Água de Julho, no rio não faz barulho“, lautet ein portugiesisches Sprichwort: „Wasser im Juli verursacht kein Geräusch im Fluss“. Wasser ist ein knappes Gut. Das erfahren wir inzwischen auch in Europa. Portugal gehört zu den Regionen, in denen die Verfügbarkeit von Wasser schon immer prekär war. Bevor das wertvolle Nass durch Leitungen zu den Häusern geführt wurde, arbeiteten hier die ‘Aguadeiros’, Wasserträger. Brunnen lagen oft weitab der Häuser und wer es sich leisten konnte, kaufte beim ‘Aguadeiro’, der volle Fässer bis an die Haustür brachte. Manche Wasserträger wussten, wie sie für ihre körperlich sehr anstrengende Arbeit zu einem guten Lohn kamen und verkauften das kostbare Nass an den Meistbietenden, obwohl das bereits im Jahr 1780 per Erlass verboten worden war. Jeder Wasser-Verkäufer kämpfte um die eigene Existenz, denn anders als in anderen Zünften kam es bei den ‘Aguadeiros’ nie zur Gründung von Transport-Gesellschaften: Niemand hätte große Mengen Wasser gekauft, da in den Häusern weder Platz vorhanden noch sonstige Bedingungen zum Lagern erfüllt waren. Azulejos, zum Beispiel entlang der Straße zur Ortseinfahrt von Alcoutim in der Ost-Algarve porträtieren diesen und andere alte Berufe.
04
Laut ‘Global Peace Index’ für 2022 liegt Portugal in Sachen Sicherheit und Friedfertigkeit weltweit auf Rang Sechs in einem Ranking, bei dem die 163 Länder, die 99,7 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, unter anderem in Bezug auf Kriminalitätsrate, Wahrscheinlichkeit von gewalttätigen Demonstrationen, politische Stabilität, Vertrauen der Bevölkerung in die innere Sicherheit verglichen werden. Auch die Präsenz eines Landes an Kriegsschauplätzen und im Waffenhandel spielen eine Rolle. Dieser Weltfriedensindex wird seit 2007 jährlich von internationalen Friedensforschern und der britischen Zeitschrift ‘Economist’ erstellt, und von Anfang an erwies sich Island als das weltweit friedlichste Land. Auch Neuseeland, Irland, Dänemark und Österreich stehen an der Spitze des Indexes. Die Platzierungen Portugals hielten sich in diesen Jahren konstant unter den ersten zehn. Das Nachbarland Spanien liegt auf Platz 29, Deutschland auf Rang 16.