Jahrmarkt, Licht und Unterwasserwelt

November 2022

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Der Herbst in Portugal die Zeit der Jahrmärkte, die oft eine Jahrhunderte alte Tradition haben, denn einst waren sie – da ist die Bezeichnung wörtlich zu nehmen – Gelegenheit zu Kauf und Verkauf all dessen, was bis zum folgenden Jahr notwendig war, von Knöpfen über Nutztiere bis zu Samen und Trockenfrüchten, landwirtschaftlichem Gerät und Haushaltswaren. Heute sind davon vor allem Flohmärkte übrig geblieben. Ein solcher, in der ganzen Region populärer, findet regelmäßig in Ferragudo statt. Doch auch dort gab es einmal einen großen Jahrmarkt mitten im Ort am Largo do Regato. Er existierte ab 1912 etwa 75 Jahre lang. Wer sich erinnert, berichtet von diesem Treffpunkt für Jung und Alt, von viel Spaß und guten Geschäften, egal ob die Sonne brannte oder Regen für Überschwemmung sorgte. Die zahlreichen Besucher drängten sich um die Stände, und wer unter den Ersten war, wurde mit Preisen belohnt. Einige Jahre lang gab es sogar eine eigene Marktzeitung. Die Gemeinde Ferragudo überlegt, ein kleines Format dieses historischen Handelspektakels wieder aufleben zu lassen; aber auch der Besuch der großen herbstlichen Jahrmärkte, vor allem in Portimão und Silves, ist sehr unterhaltsam.
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Vor genau 145 Jahren, am 30. Oktober 1878, erhellten zum ersten Mal Laternen ein Stadtviertel in Portugal. Zwei Jahre zuvor hatte der russische Elektrotechniker Pawel Jablotschkow eine Kerze erfunden, die aus zwei nebeneinander angebrachten Kohlestiften bestand und damit das Zeitalter der öffentlichen Beleuchtung eingeläutet. Zwar erreichte das neue Licht die Algarve erst 1911 (Faro war Ort der ersten Installation, Alcoutim bekam als letzte Gemeinde erst ein halbes Jahrhundert später Straßenlaternen: im Juli 1965), doch die laut Definition „durch ein Gehäuse geschützte Lichtquelle für Außenbeleuchtung“ darf als Teil von Kultur und Städtebau angesehen werden, denn beides konnte von da an auch nächtens Leben entfalten. Portugals Poeten rühmten die neue Ära des Lichts in Versen. Chronisten schrieben, sie freuten sich auf das Verschwinden von „Ratten und Gesindel“ und auf erleuchtete Häuser, Theater, Bibliotheken und Wege am Fluss oder gar „Ansichten wie in Paris“, wie eine Zeitung schwärmte. Und bis heute stehen in Portugals Städten neben moderner Straßenbeleuchtung auch zahlreiche historische Laternen.
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Die Algarveküste, insbesondere zwischen Ferragudo und Alvor, ist unter Tauchern beliebt wegen der dort angelegten künstlichen Riffs (ausgemusterte Schiffe wurde dafür versenkt), aber auch als für die nach Objekten, die aus vor Jahrhunderten gesunkenen Schiffen auf dem Meeresboden ruhen. Nun kommt eine Seemeile vor dem Strand Santa Eulália in Albufeira ein neues künstliches Riff hinzu – ein Kunstwerk. Der international berühmte Street Artist Alexandre Farto (Künstlername: Vhils) hat dazu aussortierte Gegenstände aus den Elektrizitätswerken des Energiekonzern EDP zu ökologisch unbedenklichen Kunstwerken umgewandelt. Jetzt sind auf 1.250 m2 in gut zehn Meter Tiefe 13 Monumente des Künstlers zu sehen; allerdings nur für Taucher, zahlreiche Bootsunternehmen bieten Touren zum Riff an. Die Technik-Teile aus EDP-Anlagen sollen unter Wasser ein neues Leben führen und Meeresflora und -fauna wird sich an ihnen ansiedeln. Da sich täglich mehr Fische dort tummeln und Algen und andere Pflanzen sich um die Kunstwerke ranken, verändern sich die versenkten Objekte im Laufe der Zeit ständig. Meeresbiologen wollen die Entwicklung des neuen Kunst-Biotops wissenschaftlich begleiten.
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