Pflasterkunst, Gebäck, Ausflug und Kulinarik

Dezember 2022

01
Wer durch Ortschaften spaziert, um deren Flair kennenzulernen, betrachtet den Baustil und Monumente oder die exotische Botanik. Doch sollte man den Blick auch auf den Boden richten, um etwas typisch Portugiesisches zu entdecken: ‘Calçada Portuguesa’, eine Technik, Wege zu pflastern und dabei handwerkliches Können mit Kunstsinn und Fantasie zu kombinieren. Das landesweit älteste und größte Beispiel für dieses Straßenpflaster schmückt seit 1849 den Rossio in Lissabon auf 8.712 m2. Seither haben die schwarzen und weißen, manchmal auch roséfarbenen Quader praktisch alle Städte in Portugal erobert: Viele großflächige, aber auch kleinteilige Motive entstanden. Zum steinernen Universum auf Wegen und Plätzen gehören in der Algarve Musikinstrumente, Blumen, Früchte, Getreide und Bäume, Eidechsen, Schmetterlinge, Delfine, Fische, Muscheln, Schnecken, Krebse, Seesterne und Vögel, auch Sterne und Motive, die an Portugals Geschichte erinnern: Karavellen, Fischerboote, Anker, Schiffstaue, Rosetten, Armillarsphären und Mythisches wie Nixen und Seeungeheuer.
02
Das Jahr geht zu Ende und dies ist in Portugal die Zeit besonderer Speisen, die stets von Leben und Geschichte und Kultur dieses traditions-affinen Landes zeugen. Gewürze, die Gaben des Orients, waren mit den portugiesischen Entdeckungsfahrern nach Europa gelangt und standen für erworbenen Wohlstand. Lebkuchen in der portugiesischen Form ist als ‘broa de mel' bekannt, gebacken mit jenen exotischen Gewürzen, die sehr lange unerschwinglich für den normalen Haushalt waren. Daher wurde ‘broa de mel' im Mittelalter nur in Kloster-Apotheken verkauft und galt als Heilmittel. Zum Teig gehört auch Honig: Er symbolisiert Sonne und Licht und war lange der Süßstoff armer Leute, denn Bienenhaltung garantierte den Blütennektar auch für die, die sich keinen teuren Zucker leisten konnten. Auch Äpfel, Feigen, Kastanien und Mandeln wuchsen überall für jedermann zugänglich und konnten haltbar gemacht werden, sodass sie gleichfalls in den Speisen zum Ende des Jahres vertreten sind.
03
Für einen Ausflug möchten wir diesen Monat die Gemeinde Caldas de Monchique empfehlen. Der kleine Ort liegt mitten im Grünen, und da die Wälder im Süden Portugals auch im Winter ihre Blätter nie ganz verlieren, findet man dort auch jetzt herbstlich bunte Töne und dazu sehr viel Ruhe im Ambiente eines verschlafenen und gleichzeitig modernen Kurortes mit Heilwasser-Quellen. Die Idee, solche Quellen für die Gesundheit zu nutzen, geht in Portugal auf die Königin D. Leonor zurück, die Anfang des 16. Jahrhunderts auf einer Reise nach Norden Menschen sah, die ein Bad in Wasser nahmen, das zwar übel roch, aber offenbar lindernd wirkte. Die Monarchin überzeugte sich selbst von der Heilkraft und ließ ein Badehaus bauen, das zunächst der Grundstein für die Entwicklung der Stadt Caldas da Rainha (‘Quellen der Königin’) wurde und von dort ausgehend die Nutzung von Heilquellen im ganzen Land populär machte.
04
Wer in die Algarve reist, um ein ganz besonderes Ereignis zu feiern und dafür Orte mit kulinarischem Weltniveau sucht, muss auf nichts verzichten. In der Region gibt es mittlerweile acht Restaurants mit einem Michelin-Stern, zwei davon tragen sogar zwei Sterne. In drei Häusern zeichnen deutsche Chefs für die Sterneküche verantwortlich, in den übrigen fünf konnten portugiesische Meisterköche die Kritiker überzeugen (https://guide.michelin.com/pt/pt_PT). Die Sterne-Restaurants in der Algarve folgen der Philosophie, portugiesische Gastronomie und lokale Produkte zur Grundlage aller Speisen zu machen und Authentizität in der Erinnerung an typische Rezepte der traditionellen Algarve-Küche zu garantieren. Der Guide Michelin stellt fest, es gelte, “die wachsende Exzellenz der landeseigenen Gastronomieszene zu feiern und zu würdigen.” Portugal sei als europäisches Gastronomieziel unverzichtbar.