Blütenpracht, Geburtstag, Karneval und Naturschutz

Februar 2023

01
Der Frühling in Portugal sei wie eine „üppige Verlängerung eines Winters voller Kamelien“, meinte die deutsche Schriftstellerin Ilse Losa, die nahezu ihr gesamtes Leben in Portugal verbrachte. Der Frühling beginnt hier in der Natur tatsächlich Wochen vor seinem kalendarischen Anfang, und neben Mandelbäumen gehören Kamelien zu den jetzt besonders üppig blühenden Pflanzen, besonders im Raum Monchique. Die Blüte wurde zum Wahrzeichen der Stadt in der Serra, die auch als Garten der Algarve gilt. Portugiesische Seefahrer haben die Pflanze im 16.Jahrhundert aus Asien mitgebracht; sie hat sich hier als äußerst dankbare Zuchtpflanze erwiesen. Der Februar steht im Zeichen der zartrosé, weiß und rot blühenden Pracht. Es gibt in Monchique einen Rundweg (‘Rota das Camélias’) entlang sehenswerter Anpflanzungen und einen Kameliengarten, der das sanfte Blüten-Aroma verströmt. Dort werden Lebens- und Entwicklungsbedingungen der Kamelien auch wissenschaftlich erforscht.
02
Die Stadt Lagoa, zu der Ihr Feriendomizil Ferragudo gehört, feiert ihr 250-jähriges Bestehen. Historischen Quellen zufolge entstanden in der Frühzeit Siedlungen um eine Lagune herum – das portugiesische Wort ‘lagoa’ bedeutet Teich oder See, aber auch Lagune. Das Feuchtgebiet wurde im Laufe von Generationen trockengelegt, um Ackerland und bebaubaren Grund zu schaffen, wo sich schließlich maurische Siedler niederließen. Zwischen 1242 und 1246 eroberten Christen dieses Gebiet aus maurischer Herrschaft; Mitte der 1550er Jahre ließen sich auf Wunsch des portugiesischen Königshauses Karmelitermönche auf diesen Ländereien nieder. Bei der ersten historischen Gebietsreform der Algarve teilte König D.José im Jahr 1773 die Ländereien der Region auf. Dabei wurde das Territorium des heutigen Lagoa vom Silves abgeteilt und eigenständig. Das natürliche Potenzial des Kreises Lagoa trug entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung bei, die bis heute auf Landwirtschaft, Fischerei, Kleinindustrie und Tourismus beruht. Die 250-Jahrfeier wird das ganz Jahr über mit Veranstaltungen, Kunst, Kultur und Musik begleitet.
03
Auch in der Algarve regiert König Karneval, jedoch sehr viel ruhiger als in den Hochburgen deutscher Faschingsfeste. Fröhlichkeit und Satire über Politik und Gesellschaft sind auch hier Bestandteil der Umzüge, deren bedeutendste in Loulé stattfinden. Festwagen, die von lokalen Freizeit-Vereinen gebaut werden, Clowns, Jongleure, Samba und Folklore und viele bunt Kostümierte feiern traditionell mehrere Tage lang im Karnevalsmekka des portugiesischen Südens. Der erste offizielle Karneval in Loulé fand im Jahr 1906 statt; er sollte die zuvor etablierte, recht ruppige Art des Volkskarnevals ablösen, bei dem derbe Scherze vorherrschten und als Wurfmaterial Eier, Mehl und allerlei Unappetitliches zum Einsatz kam. Seit der Karneval dann von Vereinen ausgetragen wurde, kam (und das gilt bis heute) der Aspekt der Wohltätigkeit hinzu: Ein Teil der Einnahmen des Karnevals geht an soziale Einrichtungen.
04
Der Februar steht im Zeichen des Naturschutzes. Seit 1997 wird im Rückgriff auf die Ramsar-Konvention, einem internationalen Übereinkommen über Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, Sensibilisierung für Flora und Fauna der vier Ramsar-Gebiete in der Algarve praktiziert: Die Lagune Ria Formosa erstreckt sich auf 18.000 Hektar von Quinta do Lago im Westen bis Manta Rota im Osten; dazu gehören fünf Inseln und zwei Halbinseln. Die 1.700 Hektar große Ria de Alvor an der Mündung der Flüsse Ribeira de Odiáxere und Rio Alvor besteht aus Dünen, Salzwiesen, Salinen und den Halbinseln Quinta da Rocha und Abicada. Hier bilden Agrarland, Watt, Salzgärten und Fischzuchten mit dem aquatischen Ökosystem den Lebensraum für Hunderte von Vogel-, Fisch-, Insekten- und Pflanzenarten. Das Sumpfgebiet bei Castro Marim am Guadiana-Fluss im Osten der Algarve ist Biotop für 36 Säugetierarten, 120 Wirbellose, 22 Fischarten und über 170 Vogelarten. Und das 44.000 Hektar große, naturbelassene Einzugsgebiet des Flusses Ribeira do Vascão im Hinterland der Ost-Algarve, rund um Portugals längsten Fluss ohne künstliche Unterbrechungen wie Dämme oder Risikoquellen wie verlassene Minen, ist Habitat vieler bedrohter Süßwasserfische.