Museum, Markt, Forschung und Meer

Februar 2024

01
Jetzt ist Erntezeit für Zitrusfrüchte. Was sich zurecht nach schwerer landwirtschaftlicher Arbeit anhört, kann auch für Reisende interessant sein. Die ‘Rota da Laranja’ (Orangen-Route) lässt die in der Umgebung von Silves reifenden Früchte zu Ehren kommen. Eine App (online in App-Stores zu finden) leitet den Besucher zu acht Orten, auf denen er von der Anpflanzung von Apfelsinen über deren Reifung und Ernte bis hin zu Verarbeitung und Verbrauch das Obst und seine landwirtschaftliche Bedeutung für die Region anschaulich erleben kann: Beginnend in einer Baumschule, führt die Route vorbei an schönen Obstgärten zu einer Fabrik für Saftherstellung und auch die Kulinarik kommt nicht zu kurz: Gastronomen beteiligen sich mit Gerichten und Süßspeisen an der Vorstellung der Orangen, traditionelle Adegas und Tascas offerieren moderne Kreationen auf der Basis von Mandarine, Apfelsine und Zitrone. Die Zitrusfrüchte aus Silves machen vierzig Prozent der gesamten portugiesischen Zitrus-Ernte aus und wer jetzt im Supermarkt Obst kauft, sollte auf die Früchte aus der Algarve achten: Mehr süßen Fruchtsaft findet man kaum.
02
Unser Ausflugstipp im Februar führt nach Norden ins Monchique-Gebirge, wo nicht nur der Gipfel des Berges Foia einen herrlichen Rundblick bietet. Weniger bekannt ist der Aussichtspunkt an der Burg von Alferce auf einem 488 m hohen Hügel am östlichen Rand der Berge, wo man Geschichte und Natur der Gegend erkunden kann und in der unberührten Natur an Orten, die bisher unzugänglich waren, einen ökologisch konzipierten Wanderweg findet. Eine 50 Meter lange Hängebrücke führt von der Bergkuppe durch das Tal ‘Barranco do Demo’. Der Weg verbindet das Dorf Alferce mit dem Burghügel. Die Landschaft, die heute der Erholung dient, war einst aufgrund ihrer Lage ein wichtiger Punkt zur Kontrolle der Verkehrswege der Region, deren Beschwerlichkeit deutlich wird, wenn man von hier aus in die Ferne blickt. Außerdem befinden sich dort zwei wichtige Wasserläufe (die Flüsschen Monchique und Odelouca) als Verbindung zwischen Bergen und der Küste. Der Spaziergänger stößt unterwegs auch immer wieder auf interessante archäologische Überreste.
03
Im Februar ist Valentinstag und in Portugal liegt der Feier der Liebe eine andere Tradition zugrunde. Seit über 300 Jahren gibt es die Tradition der ‘lenços dos namorados’ (Tücher der Verliebten), farbenfroh oder einfach traditionell in Rot auf weißem Leinen bestickte Tücher mit Blumen, Herzen, Schlüsselchen, Versen und anderen Symbolen für Liebe und Treue. Ethnologen vermuten den Ursprung in den Taschentüchern der Oberschicht des 17. und 18. Jahrhunderts, als Stickerei eine Tätigkeit von Frauen war, die sich nicht um Haushalt und Kinder kümmern mussten. So schenkte eine Seemannsfrau ihrem Liebsten als Andenken ein ‘lenço’, bevor er auf große Fahrt ging; ein verliebtes Mädchen fertigte ein Tuch, das ihre Gefühle ausdrückte, und legte es um ihre Taille. Der Angebetete durfte das Tuch lösen und trug es entweder in der Brusttasche oder um den Hals gelegt. Auf diese Weise wurden Gefühle öffentlich gemacht, wobei Frauen also schon sehr früh ein Recht auf Eigeninitiative in Sachen Liebe und mussten nicht warten, bis der Mann den ersten Schritt tat. Auch bei einer unglücklich zu Ende gegangenen Liebe spielten die ‘lenços dos namorados’ eine Rolle: Wenn der Auserwählte die Beziehung beendete, gab er das Tuch zurück – ein unmissverständliches Aus.
04
Das Gastronomie-Portal ‘Taste Atlas’ hat das portugiesische Muschelgericht ‘Amêijoas à Bulhão Pato’ zur besten Meeresfrüchtespeise der Welt gekürt. Dabei handelt es sich keineswegs um eine ausgefallene Kreation, sondern sie steht auf praktisch jeder Speisekarte im Land – und hat eine ungewöhnliche Geschichte: Benannt ist das Gericht nach Raimundo António de Bulhão Pato, der vor fast 200 Jahren als Sohn einer Spanierin und eines Portugiesen geboren wurde, später Gastronom und Dichter wurde und gerne seinen Freundeskreis bekochte, zu dem auch namhafte Schriftsteller jener Zeit gehörten. Bulhão Patos Haus am Tejo war Treffpunkt der portugiesischen Kulturszene. Ein befreundeter Küchenchef schwärmte derart für die Reime des Gastronomie-Kollegen, dass er einige Speisen nach Bulhão Pato benannte. Das Venusmuschel-Rezept mit Olivenöl, Knoblauch, Koriander, Salz, Pfeffer und Zitrone überdauerte und Sie sollten es probieren.