Ferragudo, Tradition, Geburtstag und Speisen

Mai 2024

01
Unser Ausflugstipp führt Sie in diesem Monat direkt vor ihre Haustür. In dem traditionellen Fischerort Ferragudo gibt es nicht nur romantische Sträßchen, herrliche Strände und empfehlenswerte Gastronomie, sondern auch alte Geschichte. Schon die Phönizier, Karthager und Römer wählten dieses Gebiet, angezogen von der Schönheit der Mündung des Flusses Arade, wo sie fischten und den Fisch in geradezu industriellem Umfang haltbar machten, indem sie ihn in Salzlake legten. Im 14. Jahrhundert begannen Fischer, den geschützt gelegenen Ort zu nutzen, um den strengen Wintern zu trotzen, und errichteten die erste Siedlung. Im Jahr 1520 erkannte Portugals Königin Leonor das Potenzial von Ferragudo und gewährte dem Ort Privilegien, den besonderen Schutz der Krone und Unterstützung bei der Ansiedelung neuer Bürger. 300 Jahre später hatte sich der Ort durch die Verbindung von Fischerei und Landwirtschaft so entwickelt, dass er als Gemeinde selbständig wurde. Mit dem Boom der Konserven-Industrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Ferragudo zu einer wohlhabenden Kleinstadt, die um Spitzenplätze auf dem nationalen Fischereimarkt konkurrierte. Erst seit den 1970er Jahren wurde der Tourismus zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor.
02
Wer im Mai die Algarve besucht, findet an vielen Orten nicht alltägliche Blumensträuße. Sie gelten dem ‘Dia da Espiga’, dem Tag der Ähre, der 40 Tage nach Ostern im Kalender steht. Familien und Freunde schenken sich ein Gebinde aus Ähren verschiedener Getreidesorten, kleinen Oliven-Zweigen und Feldblumen. Leuchtend gelber Besenginster, ein Zweig mit Weinlaub, Rosmarin, Gänseblümchen, Vergissmeinnicht und Klatschmohn gehören unbedingt dazu. Um Krankheiten und Ungeziefer fernzuhalten, sollte der Bauernstrauß an Tür oder Fenster platziert werden und erst im folgenden Jahr gegen einen frischen Strauß ausgetauscht werden. Einst als “heiligster Tag des Jahres” betrachtet, diente er dem Sammeln von Heilkräutern. Drohte am Tag der Ähre ein Gewitter, sollte ein Teil des Bauerstraußes im Kamin verbrannt werden, um den Blitz fernzuhalten. Bis heute sind diese Riten vor allem im Hinterland lebendig; Monchique und Loulé sind bekannt für ihre ‘Festas da Espiga’, bei denen die Traditionen auch auf besondere kulinarische Angebote ausgedehnt werden.
03
Am 13. Mai jährt sich zum 325. Mal der Geburtstag einer der bedeutendsten Figuren der portugiesischen Geschichte: Sebastião José de Carvalho e Mello, bekannt unter seinem Titel ?Marquês de Pombal'. Er ging als Wieder-Erbauer Lissabons nach dem Erdbeben von 1799 in die Annalen ein. Auch die Straßenzüge der gleichfalls vom Beben zerstörten Algarve-Stadt Vila Real de Santo António verdanken ihre moderne, weitläufige Bauweise dem Marquis, der als Erster Minister des politisch uninteressierten Königs D. José I faktisch Regierungschef war und freie Hand hatte. Doch der Mann, der als Modernisierer gilt, war auch ein Despot, der seine Macht skrupellos einsetzte. Doch so umstritten seine Persönlichkeit auch war, seine Verdienste um den Städtebau sind gewaltig, denn er verband technisch notwendige Maßnahmen mit dem Wunsch nach Erneuerung bei gleichzeitiger Wahrung der Tradition.
04
Portugals am häufigsten verkauftes gastronomisches Produkt ist weder Wein noch die emblematischen ‘Pasteis de Nata’, sondern etwas Herzhaftes: Die nach einer nord-portugiesischen Stadt benannte, geräucherte Wurstspezialität ‘Alheira de Mirandela’. Das sei, so versichern Feinschmecker, darauf zurückzuführen, dass es sich um ein preiswertes naturbelassenes Lebensmittel von hoher Qualität handele. Die ‘Alheira de Mirandela’ gibt es in jeder Metzgerei und im Supermarkt. In Restaurants steht sie selten auf der Speisekarte. Die Wurstspezialität schmeckt am besten gegrillt und wird üblicherweise mit Salzkartoffeln und grünem Kohl serviert.