Landschaft, Kulinarik und Tradition

November 2024

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In diesem Monat möchten wir Ihnen einen Ausflug ins Hinterland von Loulé empfehlen, nach Ameixial: Der Ort liegt 426 Meter hoch und an allen Ecken verliert sich der Blick in der Weite der Landschaft. Ameixial, was soviel wie „Garten mit Pflaumenbäumen“ bedeutet, gehört zu den am dünnsten besiedelten Gegenden des Landes; gleichzeitig verläuft Portugals längste Straße hier: Die Nationalstraße EN2 beginnt in Chaves und endet 738,5 km südlich in Faro. Jeweils am ersten Donnerstag eines Monats findet ein quirliger Bauernmarkt mit Frischem aus Garten und Feld und vielen Kuriositäten statt. Berühmt ist ‘pão doce’, ein süßes Brot mit braunem Zucker, Zimt und aromatischen Kräutern. Im Ort gibt es gemütliche Cafés. Das Flüsschen Vascão bildet hier die natürliche Grenze zwischen Alentejo und Algarve. Die Umgebung eignet sich zum Wandern in der unberührten Umwelt der ‘Serra do Caldeirão’, zur Vogelbeobachtung und zum Sammeln von Heilkräutern am Wegesrand. Die biologische Vielfalt ist hier außerordentlich groß. Unterwegs fallen seltsam anmutende, auf Steine und Erde gemalte Zeichen auf: Die Symbole erinnern an die ‘Escrita do Sudoeste’, eine der ältesten bekannten Schriften, die vor rund 2.500 Jahren in dieser Gegend entstand. Jedes mit Kalkfarbe gemalte Zeichen entspricht einem Buchstaben der ‘Escrita do Sudoeste’, die den Betrachter an Denk- und Lebensweisen der Vorfahren in der Antike heranführt.
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Eine der kulinarischen Wegmarken der Algarve sind Süßkartoffel. Aljezur in der West-Algarve widmet der ‘batata doce’ jedes Jahr im November ein Festival. In Portugal fand die Knolle schon sehr früh Beachtung: António Gaivão, Chronist und Verwalter der portugiesischen Krone auf den Molukken, beschrieb 1557 die Pflanze; dies gilt als erste Erwähnung in portugiesischer Sprache. Bauern in der Gegend um Aljezur verfügen mit gut 220 Hektar über die landesweit größte Anbaufläche. Im äußersten Westen der alten Welt fand die ‘batata-doce' praktisch die gleichen Bedingungen wie in der Neuen Welt, wo Kolumbus sie einst entdeckte. In den kaum bewaldeten Ebenen und dem trockenen Heideland der Costa Vicentina mit seinen leichten, sandigen Böden und dem soliden Untergrund dehnt sich die Pflanze nicht tief ins Erdreich aus, sondern wird oberflächennah reif und genießt über ihre gesamte Wuchszeit von März bis zur Ernte im Herbst viel heiße Sonne, was ihrer Süße guttut. Das Wurzelgemüse der Sorte ‘lira' mit violetter Schale und dottergelbem Fruchtfleisch hat es zu internationalem Renommee gebracht: 2009 verlieh die EU das Gütezeichen ‘Geschützte Geografische Angabe'. In einigen Geschäften der Algarve wird übrigens Süßkartoffel-Bier verkauft, vor einigen Jahren auf dem Festival kreiert, wurde es zum Geheimtipp.
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Während in Deutschland Kinder am Martinstag “Laterne, Laterne” singend von Haus zu Haus ziehen und um Süßigkeiten bitten, ist diese Tradition in Portugal nicht bekannt. Hier gilt der heilige Martin als Schutzpatron der Schneider, der Ritter, der Soldaten, der Fischer, der Bettler und der Winzer. Ähnliche Riten wie in Deutschland existierten allerdings in vergangenen Zeiten. Die Hauptrolle spielte dabei ein ausgehöhlter Kürbis als Laterne, womit die Kinder im November abends durch die Gassen der Dörfer in den Regionen Minho und Trás-os-Montes im Norden des Landes zogen: “Bolinhos e Bolinhós” (svw. “Küchlein und Zuckerbrot”; eigentl. mit Zucker bestreuter Biskuit) riefen die Kinder früher. Das Schauspiel findet sich heute gelegentlich noch in entlegenen Dörfern. Die historischen Wurzeln dieses Umzugs sind allerdings auf ein wenig erheiterndes Motiv zurückzuführen: Der Brauch entstand einst in den Armenvierteln der Städte, wo zu Einbruch des Winters aus der Not heraus um Nahrhaftes gebeten wurde, weniger um Süßwaren.
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