Ausflug, Tauchen, Gebäck und Krippen

Dezember 2024

01
Der südliche Alentejo ist besuchenswert und nicht weit. Zum Beispiel Sines. Die quirlige Kleinstadt am Atlantik ist die Heimat von Portugals legendärem Seefahrer Vasco da Gama, dem Entdecker des Seewegs nach Indien, der hier im Jahr 1469 als Sohn des Stadtverwalters geboren wurde. Am 24.12. jährt sich sein Todestag zu 500. Mal. Auf einer Anhöhe steht Vasco da Gama als Bronzestatue. Beim Blick von hier oder von der Stelle, wo sein Geburtshaus gestanden haben soll, über die Bucht, kann man nachvollziehen, warum er seit früher Kindheit vom Meer besessen war. Westlich des Ortskerns steht die kleine Kapelle ‘Ermida da Nossa Senhora das Salas’, die schon 150 Jahre vor Vasco da Gamas Geburt gebaut wurde. Der Seefahrer ließ sie später vergrößern, sodass zu jener Zeit Pilger untergebracht werden konnten. Im 16. Jahrhundert kamen Seefahrer und Adelige hierher, die durch die Entdeckungsfahrten und überseeische Eroberungen reich geworden waren und der kleinen Kirche Edelsteine und andere wertvolle Stücke spendeten. Heute kennzeichnen kleine Häusern und urige Fischrestaurants die Stadt. Lohnenswert ist auch ein Besuch im Kulturhaus ‘Centro de Artes de Sines’.
02
Die Algarve positioniert sich international als Reiseziel für Taucher. Kern dieses Vorhabens ist der Meeresnaturpark ‘Pedra do Valado’ zwischen Albufeira und Lagoa, einer von erst wenigen geschützten Meeresparks Portugals und das größte Küstenriff der Region. Dort kann man nicht nur Meeresfauna und Flora ergründen, sondern findet auch eine Unterwasser-Ausstellung: Der über Portugals Grenzen hinaus bekannte Maler Alexandre Farto, der unter seinem Künstlernamen Vhils insbesondere durch großflächige Graffiti bekannt wurden, hat in 12 Metern Tiefe vor der Küste des Santa-Eulália-Strandes von Albufeira in dem Riff 13 Skulpturen aus ausgemusterten Teilen abgewrackter Kraftwerke installiert. “Art Reef by Vhils” hat bereits internationale Preise gewonnen. Neben dem Meeresnaturpark ‘Pedra do Valado’ verfügt die Algarve über den Unterwasserpark ‘Ocean Revival’ vor der Küste von Alvor, wo vor einigen Jahren vier ausgemusterte Marineschiffe versenkt wurden, die das größte künstliche Riff der Welt bilden, an dem mittlerweile eine immense submarine Artenvielfalt ihren Lebensraum gefunden hat.
03
Wer im Dezember eine portugiesische Bäckerei betritt, kann die typischste Süßspeise zum Jahreswechsel nicht übersehen: den Bolo-Rei, ein Kuchen aus Hefeteig mit kandierten Früchten, der zum Fest und bis zum Dreikönigstag in keinem Haus fehlen darf. Dieses Weihnachts-Backwerk kommt aus der 195 Jahre alten ‘Confeitaria Nacional' in Lissabon, Portugals erste Adresse für Süßes. Dahinter steht eine kuriose Geschichte: Der Sohn des Firmengründers hatte das Rezept aus Paris mitgebracht und mit dem bunt dekorierten, geschmacksintensiven Backwerk schnell Furore gemacht. Als dann 1910 in Portugal die Monarchie gestürzt wurde, diskutierte das Parlament ausführlich einen Antrag, den Bolo-Rei in „Bolo-República” umzubenennen. Schließlich siegte jedoch der Gedanke, dass eigentlich derjenige ein König ist, der das bunte Backwerk auf dem Teller hat. Wer Bolo-Rei wegen der üppig verwendeten kandierten Früchte nicht mag, versuche ‘Bolo-Rainha’. Diese “Königin unter den Kuchen” ersetzt die Zuckerfrüchte durch Pinienkerne, Haselnüsse, Walnüsse, Mandeln und Rosinen. Beide Kuchen haben die Form gemeinsam: Rund gewölbt und obenauf kostbar dekoriert, erinnert sie an eine Krone.
04
Weihnachtszeit – Krippenzeit. Erstmals sind Krippen in Portugal im 16. Jahrhundert dokumentiert, und zwar in Verbindung mit religiösen Institutionen. Im 17. Jahrhundert verbreitet sich die Sitte sehr rasch und erfährt im Barock eine deutliche Steigerung, als Bildhauer wie Machado de Castro und António Ferreira einige der üppigsten und schönsten, bis heute erhaltenen Exemplare aus Holz schnitzen oder aus Lehm formen. Viele minutiös gestaltete Einzelteile fügen sich dort zu monumentalen Krippen-Anlagen zusammen. Im 19. Jahrhundert zog die Krippe in die Volkskunst ein und die Krippen der Künstler gerieten in Vergessenheit. Nahezu jede Stadt in Portugal verfügt in diesen Tagen über eine öffentlich zugängliche Krippe. Wenn Sie dort feststellen, dass das Jesuskind fehlt – Es wurde nicht gestohlen. Dort, wo es sehr traditionell zugeht, wird die Figur erst in der Weihnachtsnacht ins Stroh gelegt.