Steine, Noten, Dosen und Grün

April 2025

01
Anstelle eines bestimmten Ausflugsortes empfehlen wir, in diesem Monat einfach mal Wege durch die Natur zu beschreiten. Achten Sie dabei auf Steine am Wegesrand, kniehoch zu Figuren aufgetürmt, ‘Mariolas’ werden sie hier genannt und haben in Portugal eigene Geschichten. Eine Legende über das ‘Cabo de São Vicente’ besagt, dass dort, wo die Steine zu kleinen Hügeln aufgehäuft wurden, jeder Stein einen der Soldaten darstelle, der 1574 am mystisch verklärten Marokko-Feldzug des Königs D. Sebastião teilnahm. So, wie der Volksglaube an die Rückkehr des in der Schlacht verschollenen Herrschers als Erlöser wartet, kehren angeblich Steine, die von diesen Figuren am Wegesrand entfernt werden, im Morgengrauen an ihren Ursprung zurück. In vegetationsarmen Gegenden, wie auf dem Foia oder am Cabo de São Vicente stellen die Figuren die höchste Erhebung über dem Boden dar und dienten einst als Wegweiser in der Einsamkeit der rauen Natur: Am Kap markierten sie den Rand der abschüssigen Klippen, die bei Nebel oft ebenso trügerisch aus der Sicht verschwanden, wie in der Serra der Weg zum nächsten Haus. Über Generationen hinweg hielten die Menschen die ‘mariolas’ als eine Art archaisches Verkehrszeichen instand. Die Männchen könnten einst in ihrer unterschiedlichen Gestalt bestimmte Hinweise gegeben oder Jagdzwecken gedient haben, als Landmarke das Wiederfinden von Vorratsstellen erleichtert oder als Markstein an ungewöhnliche Ereignisse erinnert haben.
02
Musikfreunde begehen am 30. April den Internationalen Tag des Jazz, der einst von der UNESCO zur Förderung der und der Rolle des Jazz bei der Bekämpfung von Diskriminierung ins Leben gerufen wurde. Portugal wird ja allgemein mit Fado assoziiert. Doch zum Land gehört untrennbar auch der Jazz mit tiefen portugiesischen Wurzeln und großer Tradition. In den 1920er Jahren etablierte sich die Musik in Lissabonner Nachtclubs, zumeist intoniert von Musikern, die hauptberuflich in philharmonischen Orchestern spielten und die Bohème der Großstädte begeisterten. Bald kamen auch international bekannte Jazzmusiker wie Sidney Bechet, Count Basie Thelonius Monk, Miles Davis oder Art Blakey zu Konzerten in diese Clubs. Seit gut 20 Jahren bietet die Universität Porto Jazz als Teil des Musikstudiums an. Bis heute hat sich eine sehr reichhaltige, lebhafte und experimentierfreudige Szene entwickelt, auch in der Algarve. Halten Sie Ausschau nach Ankündigungen des ‘Orquestra de Jazz do Algarve’, 2005 in Lagos gegründet und geleitet von dem Trompeter Hugo Alves. Wenn sich die Gelegenheit bietet, sollte man Konzerte dieses Ensembles nicht verpassen.
03
Wer durch die Markthallen der Algarve spaziert, finde neben frischen Produkten der Region auch Konserven. Fischkonserven, die es als kulinarisches Wahrzeichen sogar in Souvenirshops geschafft haben, denn das Meeresgetier in der Dose ist auch als Mitbringsel sehr gefragt. Immerhin gehen knapp zwei Drittel aller Fischlein in Dosen in den Export. Die Produktion der Konserven in den heute nur noch in geringer Zahl vorhandenen Fabriken blickt auf eine 170-jährige Geschichte zurück. Die Tendenz ist steigend, denn dank wachsender Nachfrage lohnt sich die Wiederbelebung des alten Wirtschaftssektors. Drei Dutzend verschiedener Arten finden den Weg in die Konservenbüchse, vor allen Dingen Thunfisch, gefolgt von Sardinen und verschiedenen Krebsarten. Dieser Industriezweig würd übrigen von Ftauen dominiert: Acht von zehn Mitarbeitern sind weiblich.
04
Je begrünter die Städte sind, desto höher ist die Luftqualität und im Sommer wird allzu große Hitze gemildert. Deshalb hat sich jetzt die Algarve-Stadt Loulé der “Trees in Cities”-Initiative zur urbanen Aufforstung angeschlossen. Bis zum Ende dieses Jahres sollen in Loulé rund 5.300 Bäume gepflanzt und weitere 3.600 an die Bevölkerung verteilt werden. Durch Bäume sollen nachhaltige Stadtentwicklung gefördert, die öffentliche Gesundheit verbessert und die Resilienz gegenüber klimatischen Veränderungen gestärkt werden. Bäume reduzieren das Risiko von Bodenerosion und Erdrutschen. Im globalen Netzwerk der “Trees in Cities” sind derzeit neunzig Städte weltweit engagiert; in Portugal gleich drei: Neben Loulé werden auch die nordportugiesischen Kommunen Braga und Matosinhos grüne