Sommerfeste, Dorfleben und Häppchen<br />

Juni 2025

01
Die ‘Santos Populares’, die Volksheiligen werden jedes Jahr im Juni mit fröhlichen Festen gefeiert. Die Tradition ist im gesamten Land stark verwurzelt. In der Algarve finden den gesamten Monat über viele Volksfeste mit Fado, Wein, gegrillten Sardinen und Umzügen statt, die an Sommerkarneval erinnern. Im Jahr 1934 wurden diese Volksfeste erstmal als städtische Feiern organisiert, doch sie gehören schon viel länger zum Brauchtum. 1866 hat der dänische Dichter Hans Christian Andersen die ‘Marchas Populares’ in Lissabon erlebt und berichtete von bunten Girlanden, im sanften Wind baumelnden Lampions und Musik in allen Altstadtgassen, zum Zuhören und Mitsingen. Die lusitanische Feierlaune und die fröhlich-farbenreiche Sommernacht haben es Andersen angetan und ihn inspiriert, die portugiesische Hauptstadt auch bei Tag zu erkunden. Seine Eindrücke ließ er in eine Fabel über das Leben einfließen; sie heißt „Im Entenhof“.
02
Unser Ausflugstipp führt in diesem Monat ins Hinterland, in die kleine Ortschaft Marmelete mitten in der Serra de Monchique. Nicht nur die Natur lädt dort zu ausgedehnten Spaziergängen ein, in sanfter Begleitung des Windes, der leise durch Gräser und Sträucher weht, dazu das Zirpen von Insekten und der Gesang der Vögel. Hier ist der Medronho-Strauch zu Hause. Die Baumerdbeere ist nicht nur Grundlage des in der Algarve typischen hochprozentigen Klaren. Medronho ist Wirtschaftszweig und Lebensart, worüber ein in Marmelete angesiedeltes interessantes Museum Aufschluss gibt. Der Ort, dessen Straßen mit Steinen gepflastert sind, die aus den Felsen der Serra geschlagen wurden, hat eine ungewöhnliche Kirche: Sie ist nicht dem Ort zugewandt, sondern den Bergen. Der Wanderer kann die Aussicht über die hügelige Landschaft am besten von der hoch über dem Ort gelegenen Santo-Antonio-Kapelle genießen. In der Ortschaft selbst gibt es viele Relikte aus früheren Zeiten zu entdecken.
03
Auf Schildern an vielen Restaurant heißt jetzt es wie in jedem Jahr um diese Zeit: „Há Caracóis“ – es gibt Schnecken. Gemeint sind nicht Weinbergschnecken wie in der französischen Küche, sondern ihre kleineren Geschwister und viele Portugiesen sind überzeugt: Der Sommer ist erst dann da, wenn eine Portion auf dem Tisch steht. Das mediterrane Klima begünstigt das Schnecken-Wachstum. Der Ursprung dieses Gerichts muss sehr alt sein, denn es half in Zeiten knapper Nahrungsmittel: Schnecken sind reich an Proteinen und Mineralien, fettarm und besitzen einen hohen Nährwert. Der Sud, in dem sie zubereitet werden, ist ein Traditions-Rezept und besteht hauptsächlich aus Oregano, Lorbeerblättern, Thymian, Knoblauch, Zwiebeln, Olivenöl, Salz und Pfeffer. Gute Restaurants servieren zu den ‘caracóis’ einen Kaktusdorn, mit dem das Schneckenfleisch aus dem Häuschen gefischt wird. Zahnstocher oder andere Gerätschaften gilt als Sakrileg.
04
Sollte der Sommer zu heiß werden, dann bietet sich ein Abstecher in kühlere Gefilde an – 230 Meter tief in den Bauch der Erde sozusagen, unter Tage. In der Nähe von Loulé gibt es ein Steinsalzbergwerk, das dazu einlädt, den Industrie-Tourismus und eine wenig bekannte Seite der Algarve-Wirtschaft zu entdecken sowie die zahlreichen Legenden der Region. Eine davon interpretiert das unterirdische Salzlager als lange verborgener, wertvoller Schatz. Wer gerne fotografiert, wird seltene und fantastische Aufnahmen mit nach Hause nehmen können. Zweimal pro Woche gibt es Führungen in deutscher Sprache.