Herbst, Historie und Mitbringsel

November 2025

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November bedeutet in der Algarve nicht selten Spätsommer. Der Herbst pausiert, warme Sonnenstrahlen kehren zurück im ‘Verão de São Martinho’, dem “Martinssommer”, eine Art fünfte Jahreszeit im Süden Portugals, hervorragend geeignet für Spaziergänge in den Wäldern des Hinterlandes oder am Strand: Im Herbst ist die Kraft der Wellen besonders eindrucksvoll und die salzige Luft klarer. Es gibt zahlreiche Geschichten zu diesem Jahresabschnitt rund um den Martinstag. Der heilige Martin gilt hierzulande als Schutzpatron der Schneider und die Legende dieses römischen Soldaten, dem im Jahr 337 an einem kalten, regnerischen Tag ein Bettler begegnete, hebt folglich in Portugal die Episode über den geteilten Mantel hervor, aber auch die himmlische Wetterfügung: In dem Moment, als der Römer dem Bettler seine Mantelhälfte zum Schutz vor der Kälte gab, soll der Sturm aufgehört haben, die Sonne schien erneut und wärmte die Erde. Martin ist in Portugal zudem Schutzheiliger der Ritter, Soldaten, Fischer, Bettler und Winzer, weshalb zum Martinstag traditionell der neue Wein des Jahres probiert wird: "No São Martinho, vai à adega e abre o vinho" (Am Martinstag geh’ in den Weinkeller und prüfe den Wein”) ist nur eines von zahlreichen Sprichwörtern.
02
Unser Ausflustipp für diesen Monat führt Sie durch die Gassen und Gebäude Ihres Ferien-Domizils Ferragudo. Dort, in der Rua 1º de Maio zum Beispiel, befindet sich die ‘Casa do Real Compromisso Marítimo’, ein unscheinbares Gebäude, das allerdings traditionelle algarvische Architektur aufweist und insgesamt ein Symbol Jahrhunderte alter portugiesischer Geschichte ist: Diese Stätte besteht zu Ehren einer Bruderschaft von Seeleuten und deren Familien, die sich im 18. Jahrhundert zur gegenseitigen Unterstützung im Bereich der sozialen Versorgung und in Rechtsfragen zusammenschloss. Damals war das Gebiet um Ferragudo eines der wichtigsten Fischerei-Zentren der Algarve. In diesem Haus erfährt man vieles über die lokale Geschichte und Portugals maritime Vergangenheit. Der ‘Real Compromisso Marítimo’ sorgte in freiwilliger Verpflichtung für Kontrolle und Regulierung der Fischerei. Die Seeleute trafen sich hier, um Lizenzen zu vergeben, Fischereizonen festzulegen und alle Aktivitäten auf See zu koordinieren, die für den Erhalt des Sektors bedeutsam waren. Heute gibt es im Gebäude neben der Dauerausstellung wechselnde Kunst-Schauen.
03
Wer einen Souvenirladen betritt, entdeckt dort eine recht ungewöhnliche Figur, einen Hahn: Schwarz mit bunten Mustern, aus Holz, Metall oder Keramik, von sehr klein, als Kettenanhänger, bis zu menschlicher Größe, als einfache Dekoration oder mit Nutzfunktion, etwa als Schlüsselanhänger, Flaschenöffner oder verschluss, auch als Motiv etwa auf Geschirrtüchern und T Shirts. Das ist der Hahn von Barcelos, so etwas wie Portugals Maskottchen, benannt nach einer Stadt im Norden des Landes und berühmt aufgrund einer Legende: Einst kam ein Fremder in die Stadt und wurde alsbald des Diebstahls beschuldigt und verurteilt. Am Strick sollte er baumeln. Er hatte noch einen letzten Wunsch frei, den er nutzte, um nochmals mit seinem Richter zu sprechen, der gerade zu Mittag aß und einen gebratenen Hahn verzehren wollte. Der Fremde orakelte, der Hahn auf dem Teller werde seine Unschuld beweisen, denn im Moment, da der Mann am Galgen hängen sollte, werde der Hahn lebendig werden und krähen. So geschah es. Der Richter eilte zum Henkersplatz und sah, dass der Galgenstrick sich auf wundersame Weise gelöst hatte. Diese Legende ist wohl deshalb so populär, weil sie einen Sieg des Außenseiters gegenüber der Mächtigen darstellt.
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