Lagune, Widmung und Erinnerung

März 2026

01
So lange es zum Baden noch zu kalt ist, so laden die Strände zumindest zu Spaziergängen ein. Und manche davon präsentieren gleich mehrere Naturschönheiten gleichzeitig: Das Meer und eine Lagune, getrennt durch eine Dünenlandschaft, zieht sich der lange, breite Ufersaum der Ria de Alvor. Egal, ob man dem Holzbohlenweg folgt, der knapp fünf Kilometer durch die Lagune mäandert, oder eine der Abzweigungen zum Strand nimmt und im Sand weitergeht, das Naturerlebnis ist vielfältig und gleichzeitig sehr erholsam. Man erspäht Pflanzen (viele endemisch), die den Weg säumen, und Vögel, die hier nisten, rasten und zwitschern; auch Raubvögel kreisen über den Salzsümpfen der Lagune. Dazu das Wellenspiel, das im Wechsel der Gezeiten über die Sandbänke plätschert und langsam in den Salzwiesen aufsteigt oder sich zurückzieht und den Blick frei gibt auf Queller und andere Salzwasser-Gewächse wie Strandwegerich, Strandastern, Strandflieder und Strandgrasnelke. Kitesurfer bewegen sich je nach Können auf dem Meer oder in der Lagune. Am Ende steht der grüne Leuchtturm der Ria de Alvor auf der rechten Seite der Hafeneinfahrt, steuerbord. Backbord, auf der zu Lagos gehörenden Seite, steht der rote Leuchtturm. Die farbliche Unterscheidung galt als Orientierungshilfe bei schwierigen Sichtverhältnissen und wird traditionell in ganz Europa weitergeführt.
02
Normalerweise sind Statuen einzelnen Persönlichkeiten gewidmet. In der Algarve hingegen finden sich auch zahlreiche fantasievolle Bildnisse, die den Charakteristika der Region oder ganzen Berufsständen gewidmet sind. Dazu gehört auch das Fischer-Denkmal in Carvoeiro, dem Nachbarort Ohres Feriendomizils. Die Skulptur steht an einem symbolträchtigen Ort des und symbolisiert Kraft und Mut derer, die über Generationen hinweg dem Meer trotzten und die Gemeinde mit den Früchten ihrer Arbeit versorgten. Das Bildnis vereint maritime und symbolische Elemente und unterstreicht die Verbindung zwischen Tradition und Moderne der Fischer-Orte der Algarve. Auch andernorts, etwa an der Ria de Alvor, stehen metallene Skulpturen, die Anwohner und Touristen in ihrem Alltag darstellen und die Grundlage des Zusammenlebens an diesen Orten festigen wollen.
03
Zum Tag der Frau in diesem Monat soll an den bisher einzigen weiblichen Regierungschef Portugals erinnert sein: Maria de Lourdes Pintasilgo (1930 - 2004). Am 19.Juli 1979 übernahm Pintasilgo das Regierungsamt mit den Worten: “Einer muss es ja machen”, denn bei ihrem Amtsantritt war bereits klar, dass sie nur kurz regieren würde: Die Diplomatin Pintasilgo war von Staatspräsidenten mit der Bildung einer Übergangs-Regierung betraut worden und sollte nur die vorgezogenen Parlamentswahlen für den folgenden Dezember organisieren, nachdem der konservative Premier Carlos Mota Pinto und seine “Regierung unabhängiger Fachleute” zurückgetreten war, weil das Parlament seinen Staatshaushalt abgelehnt hatte. Zur selben Zeit war Margaret Thatcher britische Regierungschefin geworden. Ein Kommentator meinte: “Beide Frauen verkörpern das Eingeständnis der Männer, den Karren alleine nicht mehr aus dem Dreck ziehen zu können.” Pintasilgo hatte als Naturwissenschaftlerin eine Abneigung gegen Schönwetter-Reden von Berufspolitikern. Sie brachte Schlagfertigkeit und Selbstbewusstsein, weniger Worte und mehr Taten in die portugiesische Politik. Zuvor war Pintasilgo Staatssekretärin und Sozialministerin sowie UNESCO-Botschafterin in Paris, verfügte über profunde Kenntnisse der privaten Wirtschaft ebenso wie der staatlichen Verwaltung und war weitgereist. Auch privat war Pintasilgo wenig repräsentativ für die Mehrheit der portugiesischen Frauen damals: Sie war unverheiratet und teilte sich eine Wohnung mit Freundinnen. (Fotos: LUSA)
04
Der Karneval findet in Portugal nahezu überall statt, doch dazu gibt es einige wenige Hochburgen, wie die Algarve-Stadt Loulé. Dort gibt es beim dreitägigen Defilée traditionell Satirisches über Politiker und Prominente – und in diesem Jahr eine Besonderheit: Der Karneval ist einem portugiesischen Nationalhelden gewidmet: Zé Povinho, Portugals Kreuzung aus Otto Normalverbraucher und Till Eulenspiegel; und der ist überall in Portugal zu Hause. 1875 hat der Karikaturist Rafael Bordalo Pinheiro ihn erschaffen. Zé Povinho steht für Bauern, Arbeiter, Steuerzahler – bodenständig und arm, aber schlitzohrig und mit viel Ironie als Überlebens-Strategie. Zé Povinho ist auch nach 150 Jahren Kult als das typischste Symbol für Widerstand, Humor und Volksseele, Opfer und Kommentator der Verhältnisse. Er rebelliert nicht laut, sondern spöttisch und macht den Herrschenden klar: Ich habe euch durchschaut! Die Figur taucht in Karikaturen ebenso wie als Meme-ähnliche Figur in sozialen Medien auf, aber vor allem auch in Keramiken, die häufig in Andenken-Geschäften angeboten werden und ausländischen Touristen weitgehend unbekannt ist.